Ein Erbschein ist nicht immer erforderlich, um eine Erbschaft anzutreten oder darüber zu verfügen. Hier sind einige Fälle, in denen man möglicherweise keinen Erbschein benötigt:

  1. Vorhandenes Testament oder Erbvertrag: Wenn ein notariell beurkundetes Testament oder ein Erbvertrag vorliegt, das oder der die Erbfolge klar regelt, kann dies ausreichen, um die Erbfolge gegenüber Banken oder dem Grundbuchamt nachzuweisen.
  2. Außergerichtliche Einigung: Manchmal akzeptieren Banken oder andere Institutionen auch andere Nachweise über die Berechtigung, wie zum Beispiel einen Erbvergleich oder eine eidesstattliche Versicherung der Erben.
  3. Geringwertiger Nachlass: Bei einem geringwertigen Nachlass oder wenn der Nachlass ausschließlich aus persönlichen Gegenständen besteht, die keinen großen wirtschaftlichen Wert haben, fordern Institutionen oft keinen Erbschein.
  4. Nachlass ohne Immobilien: Wenn im Nachlass keine Immobilien enthalten sind und die Erbfolge durch ein Testament klar ist, kann das Testament zusammen mit der Sterbeurkunde oft ausreichen.
  5. Direktbegünstigung bei Versicherungen: Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen, bei denen ein Begünstigter direkt benannt ist, bedürfen keines Erbscheins, da das Kapital direkt an die benannte Person ausgezahlt wird.
  6. Gemeinschaftliche Konten: Bei Gemeinschaftskonten mit dem Vermerk „Oder-Konto“ kann der überlebende Kontoinhaber in der Regel ohne Erbschein über das Konto verfügen.
  7. Gesetzliche Erbfolge bei überschaubarer Erbengemeinschaft: In manchen Fällen, wenn die gesetzliche Erbfolge eintritt und die Erbengemeinschaft überschaubar ist, kann die Bank auf einen Erbschein verzichten und stattdessen eine eidesstattliche Versicherung anfordern.

Es ist immer ratsam, im Einzelfall bei Banken oder anderen Institutionen nachzufragen, welche Dokumente sie im Falle eines Erbfalls konkret verlangen.

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