1. Berechnung der Verfahrenskosten

Die Gesamtkosten eines Ehescheidungsverfahrens ergeben sich aus der Summe der Gerichtskosten und der Anwaltskosten. Sowohl die Höhe der Gerichtskosten als auch die Höhe der Anwaltskosten richten sich von Gesetzes wegen nach dem sogenannten Gesamtverfahrenswert des Scheidungsverfahrens. Ausgehend von dem jeweiligen Gesamtverfahrenswert ergeben sich die Gerichtskosten dann als Fixkosten aus dem Familiengerichtskostengesetz (FamGKG ) und die Anwaltskosten als Fixkosten aus dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG).

2. Verfahrenswert als Grundlage der Berechnung

Maßgeblich für die Höhe der Kosten ist damit der Gesamtverfahrenswert des Scheidungsverfahrens. Der Gesamtverfahrenswertes wird vom Gericht Wert bei Beendigung des Scheidungsverfahrens ordnungsgemäß ermittelt und verbindlich im Beschlusswege festgesetzt.

Für die Höhe des Gesamtverfahrenswertes ist entscheidend, über wie viele sog. Ehescheidungsfolgesachen (z.B. Versorgungsausgleich, Zugewinnausgleich, nachehelicher Unterhalt, Nutzung der Ehewohnung nach der Ehescheidung, Hausratverteilung, Kindschaftssachen) das Gericht zusammen mit der Ehescheidung eine Entscheidung treffen muss. Jeder dieser Einzelentscheidungen ist ein Einzelverfahrenswert zuzuordnen. Die Summe der Einzelverfahrenswerte entspricht dem Gesamtverfahrenswert. Je weniger Folgesachen im Streit stehen, umso geringer ist damit der Gesamtverfahrenswert und umso niedriger sind die Verfahrenskosten.

Wenn man von einer einfachen einverständlichen Ehescheidung spricht, meint dies regelmäßig, dass vom Gericht lediglich die Ehescheidung auszusprechen und eine Entscheidung über den Versorgungsausgleich (Ausgleich der Rentenanwartschaften) zu treffen ist. Es sind dann vom Gericht nur der Einzelverfahrenswert der Entscheidung über die Ehescheidung und der Einzelverfahrenswert des Versorgungsausgleichsverfahrens zu ermitteln und zum Gesamtverfahrenswert zusammen zu ziehen.

Der Einzelverfahrenswert der Entscheidung zur Ehescheidung ergibt sich regelmäßig aus dem dreifachen Nettoeinkommen der Eheleute.

Der Einzelverfahrenswert des Versorgungsausgleichs ergibt sich aus der Anzahl der Versorgungsanwartschaften, über welche eine Entscheidung getroffen wurde, wobei für jede Anwartschaft ein Verfahrenswert in Höhe von 10 % des Verfahrenswertes der Ehescheidung anzusetzen ist. Mindestens beträgt der Verfahrenswert für den Versorgungsausgleich aber 1.000 €.

Beispiel:

  • Nettoeinkommen Ehemann: 2.000,00 €; Nettoeinkommen: Ehefrau 1.500,00 €
  • Zu entscheidende Versorgungsanwartschaften insgesamt: 3
  • Keine weiteren sonstigen gerichtlichen Entscheidungen

Hieraus folgt für den Gesamtverfahrenswert:

  • Einzelverfahrenswert der Ehescheidung: 10.500,00 € (= (2.000,00 € + 1.500,00 € ) * 3)
  • Einzelverfahrenswert des Versorgungsausgleichs: 3.150,00 € (= 3 * 1.050,00 €)
  • Gesamtverfahrenswert: 13.150,00 € (= 10.500,00 € + 3.150,00 €)

Hieraus folgt für die Kosten:

  • Gerichtskosten laut FamGKG dann: 586,00 € (= 2 * 293,00 €)
  • Anwaltskosten laut RVG dann: 1.957,55 €

 

3. Reduzierung / Teilung der Rechtsanwaltskosten

Grundsätzlich fallen die Anwaltskosten auf Seiten beider Eheleute an, da im Scheidungsverfahren Anwaltszwang besteht. Soweit es sich allerdings nur um eine einfache einverständliche Scheidung handelt, besteht ausnahmsweise die Möglichkeit die Scheidung mit nur einem Rechtsanwalt durchzuführen, nämlich dass die Antragsgegnerseite auf die Einschaltung eines eigenen Anwalts verzichtet und die Eheleute sich ggf. über die hälftige Teilung der Anwaltskosten der Antragstellerseite verständigen. Hierdurch kann es zur Halbierung der Anwaltskosten und damit zu einer erheblichen Reduzierung der Verfahrenskosten kommen.

Hierzu kann folgende Formulierung für eine Vereinbarung zur Teilung der Anwaltskosten verwendet werden:

„Wir sind uns einig darüber, dass wir uns scheiden lassen möchten. Zum Zwecke der Kostenersparnis soll sich nur der Ehemann / die Ehefrau im Scheidungsverfahren von den Rechtsanwälten ROBEL & FRANCKE anwaltlich vertreten lassen und den Scheidungsantrag stellen. Die im Scheidungsverfahren anfallenden Anwaltskosten sollen hälftig zwischen uns geteilt werden. Nach rechtskräftiger Scheidung erstattet der Ehepartner die hälftigen nachgewiesenen Anwaltskosten. Für die Aufteilung der Gerichtskosten kommen die gesetzlichen Bestimmungen zur Anwendung.“

Sollten Sie Fragen zur konkreten Höhe des in Ihrem Fall zu erwartenden Verfahrenswertes und den sich hieraus ergebenden Verfahrenskosten haben, stehen wir Ihnen sehr gern telefonisch oder auch per E-Mail zur Verfügung.

 

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